Just another COVID-Story.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich in diesem kleinen Café nicht weit vom Meer in einem Fischerdorf auf Fuerteventura saß und auf meine neu gewonnenen Freundinnen wartete, die sich in der Zwischenzeit ganz spontan ein Tattoo stechen ließen, als das Handy klingelte.

"Es ist soweit - wir müssen zumachen!"

Meine Freundin und Kollegin Ece war dran. Es war der 14. März 2020. Ich befand mich schon seit Monaten an dem Punkt, dass ich eine Auszeit brauchte um meine Gedanken zu sammeln und entschied mich daher einige Tage allein auf diese wunderschöne Insel zu fliegen. Corona war zu diesem Zeitpunkt bereits allgegenwärtig und doch musste ich diesem Verlangen nachgeben und flog trotz anstehendem Lock-Downs in den Süden.



Schon lange wurde gemunkelt, dass es zu solch einer Maßnahme kommen könnte, doch zu keinem Zeitpunkt war uns bewusst wie ernst die Lage wirklich war - bis die offizielle Information des Bundesministeriums bekannt gegeben wurde.


Da waren wir nun. Drei Jungunternehmer/innen, 16 Monate im Business und auf einmal sollte alles still stehen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, wie es weitergehen würde, was uns erwartet, wie unsere Kunden und Partner reagieren würden und was das für unser Bestehen bedeuten sollte.

Zur Bekanntgabe der Maßnahmen, wurden keine Informationen zu eventuellen Soforthilfen verkündet, sodass mein Team und ich innerhalb weniger Stunden in den Survival Mode übergingen und unsere übrig bleibenden Möglichkeiten unsere Kundschaft und Community zu bedienen zusammen trugen.

"Let's move everything online!"

Natürlich der erste Gedanke und noch am selben Abend setzte ich mich an den Schreibtisch meines Hotelzimmers und begann zu basteln.

Aufgrund meiner langjährigen Arbeit in IT Unternehmen, machten mir digitale Lösungen absolut keine Angst, sodass ich innerhalb von zwei Stunden einen Online-Kursplan, sowie das dazu notwendige Tech-Zubehör geplant und bestellt hatte.


Am Sonntag, dem Tag darauf, flog ich zurück nach Berlin und kam mit etwas Verspätung und einem ungeplanten Layover in Madrid am Montag in Berlin an. Mein Kollege Emanuele hatte sich schon am Wochenende dazu bereit erklärt unsere erste Online-Klasse zu leiten und damit ging es am Montagabend, dem 16. März als erstes Studio in Berlin los.



Unsere allererste Online-Class und direkt ausverkauft! Wow. Wir waren baff!


In unserer ersten Woche nutzten wir noch Eventbrite für unsere Registrierungen, doch innerhalb weniger Tage wurde es unserem CRM-Anbieter Fitogram auch möglich ein gutes Nutzererlebnis bei der Buchung von Online-Tickets zu gewährleisten, sodass wir unsere Buchungen direkt im System verwalten, und die Teilnehmer durch eine Integration von Zoom in Fitogram automatisiert über die Zugangsinformationen informieren konnten.

Technik, die begeistert!



Damit waren Trybe Online-Kurse geboren.

Die ersten vier bis sechs Wochen schossen unsere Teilnehmerzahlen in die Höhe. Jede Online-Klasse war nahezu ausgebucht und wir konnten uns weiterhin mit unserer bestehen Community tänzerisch austauschen, einen Mehrwert schaffen und sogar neue loyale Teilnehmer dazu gewinnen.

Natürlich war das nicht das Gleiche, aber es half uns weiter.


Mit nun ausfallenden Mieteinnahmen, Stück für Stück kündigenden Mitgliedern und niedrigen Kursumsätzen, mussten wir uns wohl oder übel mit allen möglichen Szenarien vertraut machen. Dank der Soforthilfen, welche wir im April erhielten, konnten wir die kommenden Monate überstehen und es ohne größere Schäden oder mögliche Schließung bis zum Ende des Lock-Downs schaffen.


Und schon war es Juni 2020. Die Studios durften wieder öffnen - alles sollte wieder von online auf offline gehen und wir standen vor den Trümmern der vergangenen Monate.

Wir verloren knapp unter 30% unserer Mitglieder, da der weitere Verlauf der Situation unvorhersehbar erschien und vor allem unsere kleinen Tänzer recht wenig Spaß und Begeisterung am Tanzen vor dem Bildschirm empfanden. Unsere Mieter aus der Vergangenheit, durften noch lange nicht wieder praktizieren, da jegliche Kontaktsportarten weiterhin untersagt waren (Paartanz, Selbstverteidigung uws.), oder die Gruppen größer waren, als es laut der Corona-Regeln vorgegeben wurde.

Es fühlte sich fast wie ein Neustart an. Ein Neustart unter neuen, sehr strikten Bedingungen.


Ein Licht am Ende des Tunnels.

Mithilfe eines ausgereiften Hygiene-Konzeptes durften wir nun also wieder loslegen und waren sehr positiv überrascht zu sehen, dass ein Großteil der Community, die wir uns über die vergangen Monate online aufgebaut hatten, nun zu uns ins Studio kam und Teil unserer Offline-Community wurde. Damit haben wir nicht gerechnet.


Zu Beginn verfolgten wir noch das Konzept der Hybridklassen. Wir haben unsere Kurse also online, sowie auch offline angeboten. Ab Juli hat sich der Kurbetrieb dann nur noch auf Teilnehmer/innen offline beschränkt, sodass wir langsam und stetig unsere Kurse im Studio wieder aufbauten.



Heute, am 21. Oktober 2020 sehen wir einer erneuten Herausforderung ins Auge.

"Berlinweite Inzidenz steigt auf über 100 – fast 1000 Neuinfektionen" (Der Tagesspiegel)

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die Fallzahlen in Berlin konstant steigen und ein erneuter, wenn auch kürzerer Lock-Down, Teil vieler Gespräche ist.

Doch was bedeutet das für uns Kleinunternehmer/innen?


Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Gesundheit unserer Gesellschaft über allen wirtschaftlichen Zielen steht, und doch sind wir der Meinung das dieses eventuelle Szenario einen detaillierten Bewertungsprozess durchlaufen sollte, bevor weitere Maßnahmen, wie die temporäre Schließung von Sportstätten und anderen Einrichtungen beschlossen wird.


Wie denkst du darüber?

Wir möchten gern wissen, welche Erfahrungen du in den letzten Monaten, egal ob Teilnehmer/in, Veranstalter/in oder Studioinhaber/in gemacht hast und welche Gedanken dich in der momentanen Situation beschäftigen.


Kommentiere gern diesen Beitrag oder sende uns eine E-mail an contact@berlintrybe.com


Ich freue mich darauf von dir zu hören und melde mich schon bald mit einer weiteren COVID-Story zurück.

Madeleine

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Trybe Dance Studio, Kurfürstenstraße 3a, 10785 Berlin

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